Wir haben unsere Erde nur geliehen.

Und zwar von unseren Nachkommen. So heisst  es doch oft. Das bedeutet auch, wir sollten umsichtig, rücksichts- und respektvoll mit dem umgehen, was uns geschenkt wurde. Denn es ist ein Geschenk auf Zeit. Ist nicht „Achtsamkeit“ eins dieser Modewörter, das so gerne in den Mund genommen wird?

Vor einiger Zeit war ich mit meinem Mann auf einem sehr gut besuchten Flohmarkt. Wir machten zum Ende des Besuches für eine Pause am Getränkestand halt, und ich genoss ein ausgesprochen leckeres Fischbrötchen und eine Apfelschorle. Das Nahrungsangebot dort ist wirklich verlockend, zumal noch ein Landmarkt angeschlossen ist. Vom Veganer bis zum Steakliebhaber findet jeder etwas, dazu Pizza, Eis, Orientalisches….

Ich stehe da also, betrachte die Besucher während ich schmause. Da kommt die „Familie Helikopter“. Nennen wir sie mal so. 😉 Vater, Mutter , zwei Kinder ca. 5 und 2 Jahre alt. Teure, schicke Kleidung, die Eltern perfekt gestylt. Kinderwagen und Fahrräder der lieben Kleinen eine hochpreisige Marke. Kinder und Eltern haben jeder ein ziemlich großes Eis un der Hand, was auch genüsslich verzehrt wird. Ihr wisst schon, die großen, rautierten Waffeltüten mit mindestens zwei dicken Kugeln drin.

Der Älteste schleckt sein Eis und sieht plötzlich den Getränkestand. „Ich hab Durst!“ schallte es lautstark neben mir. Ich bin erstaunt. Wie kann man Durst haben, wenn man gerade ein grosses Eis verzehrt? „Ich hab Durst!!!“ Diesmal lauter. Das Kind schielt zum Getränkestand und beobachtet dann genau seine Eltern. Kommt es mir nur so vor, oder hat der Kleine einen wirklich berechnenden Gesichtsausdruck? Die Eltern schauen das Kind an. „Ich hab Durst, ich hab Durst, ich hab Duuuuurst!“ Offensichtlich in ausgewachsener Notstand, drohende Dehydrierung und schwerwiegende Folgeschäden für den Nachwuchs. Die Mutter schickt den Vater los, der pflichtschuldig Getränke holt. Für sich, seine Frau und ein Glas (0,3) mit Sprite für das durstige Kind. Der kleine Bruder futtert derweil ganz entspannt weiter sein Eis. Das „durstige Kind“ trinkt zwei Schlucke. „Mamaaa, ich mag mein Eis nicht mehr.“ Mama Helikopter zeigt ihrem Kind den Mülleimer neben dem Würstchenstand. Der kleine Scheißer wandert zielstrebig los und versenkt sein wundervolles, erst halb gegessenes Eis im Müll. Parallel dazu geht mein Mann, langhaarig, bärtig und mit Rockerkutte gerade zur Würstchenverkäuferin, um ihr zu sagen, wie gut ihm die Currywurst geschmeckt hat. „Mama, nimmt der Mann da jetzt mein Eis aus dem Müll und isst es?“ Fingerzeig auf meinen Gatten. Die Mutter schielt verstohlen zu mir herüber und verneint dann. Ganz wohl scheint sie sich nicht zu fühlen. Jetzt will auch noch der kleine Bruer sein Eis wegwerfen. Schließlich hat der Große ja auch… Voll zum kotzen sowas.

Etwas Wind kommt auf, den alle (ok, FAST alle) umstehenden genüsslich aufnehmen. Schließlich sind es weit über 20 Grad und eine leichte Brise ist da ganz angenehm. Mama Helikopter zieht beiden Kindern ein schlauchartiges Halstuch über den Kopf, so dass nur noch die Gesichter rausschauen. „Ihr werdet sonst noch krank. Eure Ohren…es zieht…“ Die Kinder schauen aus wie zu einer Polarexpedition, während ihre Altersgenossen daneben im T-Shirt rumlaufen.

Als mein Man zurückkommt bitte ich ihn, dass wir gehen. Ich hab eh aufgegessen, er auch und wenn ich mich jetzt nicht sofort verziehe, dann vergesse ich mich und sage diesen dummen, gedankenlosen, verschwendungsgeilen Blödhampeln, dass sie ihre Kinder gerade zu den absoluten Arschlöchern verziehen. In mir kocht es. Und wie! Wieviele Besucher habe ich heute gesehen, denen man ansah, dass sie jeden Cent umdrehen müssen? Wieviele Kinder bekamen heute kein Eis, weil es im schmalen Budget einfach nicht drin war? Und diese aufgebrezelten Konsumgeilen lassen sich von ihrem Kind vorführen und manipulieren, und werfen dabei noch Essen weg? Als wir gehen steht das angetrunkene Glas Sprite immer noch auf dem Tisch. „Papa, warum packen die alle zusammen. Wir wollen uns doch den Markt ansehen. Papaaaa……“ Irgendwie werde ich gerade richtig sauer. Nix wie weg, sonst sage ich noch Sachen, die mir hinterer NICHT leid tun werden.

Ich wünsche dieser Familie nichts Schlechtes. Ich hoffe nur, dass sie niemals erfahren müssen, wie weh eine leere Geldbörse, ein leerer Kühlschrank, eine dunkle und kalte Wohnung tun. Ich hoffe sie müssen niemals Essen aus dem Müll holen oder Pfandflaschen sammeln. Oder ihren Kindern erklären, warum es nicht mit auf Klassenfahrt geht, es keine Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten gibt. Leider ist dies für viele Menschen auch in unserem Land heute schon traurige Realität. Und gerade daher macht mich das Verhalten der Eltern so verdammt wütend. Die Gedankenlosigkeit, mit der hier Lebensmittel gekauft und dann entsorgt werden, lässt meine Magensäure steigen. Und alles nur, weil der kleine Prinz da plärrt und was will? Ich wäre gern dabei, wenn die Kinder größer werden und damit ihre Forderungen. „Mamaaaa, ich will ein Iphone….Papaaaa ich will…..“Ob die Eltern ihren Kindern mit dieser Erziehung einen Gefallen tun? Ich bezweifle es.

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