Fridays for what???

Ich hab aktuell (wie fast immer) sehr wenig Zeit für mich. Und das nervt. Aber einige Ereignisse der letzten Tage haben sich in meinem Kopf festgesetzt. Sie rumoren da, melden sich und lassen sich nicht einfach wegwischen. Und sie müssen raus.

Ich lese vor dem Wochenende, dass in Deutschland das Schreddern frisch geschlüpfter, männlicher Hühnerküken „aus wirtschaftlichen Gründen“ erst mal erlaubt bleibt. 45 Millionen kleine Leben, die jährlich grausam bei lebendigem Leib zerfetzt, zerhackt werden. Und wofür? Damit Eier keine 2 Cent mehr kosten. Denn das wäre der Preis für eine Geschlechtsbestimmung im Ei, die es so inzwischen schon gibt. Aber Geiz ist ja bekanntlich geil, oder? Und wo wir schon so schön Vögel schreddern: Windkraftanlagen machen das ebefalls. Unzählige Zugvögel, Greife, Stelzvögel, Singvögel werden von den Rotorblättern gnadenlos zerhackt, verstümmelt. Qualvolles, sinnloses Sterben an den Fundamenten der „ökologischen Stromerzeugung“, wo es auch hier schon längst andere Bauformen, Alternativen und Konzepte gibt, die optisch weniger auffallen, keine Vögel und Insekten zerhacken aber eben etwas mehr Geld kosten.

Parallel dazu „engagierte Kids“, die jeden Freitag die Schule schwänzen um „für das Klima“ auf die Straße zu gehen. Ihre Ikone ist Greta, die kein Flugzeug benutzt, aber dafür gern ein mit Schweröl betriebenes Schiff, um doch zu den wichtigen Konferenzen rund um den Globus zu kommen. Oder kann die neue Heilige etwa über das Wasser laufen??? DAS wäre mal eine ökologisch sinnvolle Alternative!

Politiker, Medien und Institutionen reißen sich um das junge Mädchen, dessen eigene Absichten sicher gut und edel sind/waren. Alle wollen jetzt vom Greta-Hype profitieren, etwas vom „Klimabetroffenheitspopularitätskuchen“ abhaben. So wird bei der goldenen Kamera flugs ein „Klimaschutzpreis“ erfunden, der mit der ursprünglichen Funktion „Medienpreise“ zu verleihen soviel zu tun hat wie der berühmte Fisch mit dem Fahrrad. Greta wird medienwirksam präsentiert, bekommt den Preis und die nächste, danach geehrte junge Akteurin einen nagelneuen SUV, gekonnt präsentiert vom Sponsor der Veranstaltung. YEAH! Das nenn ich doch mal komplett inkonsequent und abgrundtief verlogen. Aber es ist populär und zieht, vor allem bei der jungen Generation. Und um die buhlen alle wie verrückt, denn schließlich sind sie die neuen Wähler, Konsumenten, Unterstützer… Und so denkt Amnesty International jetzt darüber nach, Greta den „Menschenrechtspreis“ zu verleihen, da Klima auch ein Menschenrecht sei. Ist doch scheissegal, dass in vielen Ländern der Welt weiterhin Menschen unschuldig inhaftiert, verschleppt, gefoltert und hingerichtet werden. Da werden Frauen gesteinigt, vergewaltigt, Jugendliche geköpft, Homosexuelle erhängt. Menschen verschwinden spurlos, brutale Regimes halten eine Terrorherrschaft aufrecht. DAGEGEN hat sich Amnesty international früher eigesetzt. Zumindest, als ich noch für diese Organisation ehrenamtlich tätig war. Und jetzt? Klimaschutz und Greta sind gerade voll im Trend. Also ran an den Kuchen und schnell noch ein großes Stück gesichert, ehe der nächste Hype aus den Startlöchern kommt. Den Friedensnobelpreis für das Mädchen bitte gleich hinterher. Schließlich ist man ja „am Puls der Zeit“. Im verzweifelten Versuch, Versäumtes aufzuholen und im Gespräch und im Trend zu bleiben verleugnen diese „Preisverleiher“ alles, was ihre Preise einmal wichtig und wertvoll gemacht hat. Aber egal, hauptsache Medienrummel und bloss kein „Shitstorm“. Denn was auf Facebook, Twitter und Co. passiert scheint ja inzwischen existenziell geworden zu sein.

Und so stehen die Kids dann am Freitag da, mit diesen liebevoll gemalten Transparenten, dass die armen Eisbären gerettet werden müssen. Man verabredet sich zu den Demos vorher via Smartphone, ohne sich eine Sekunde Gedanken zu machen, wie diese Dinger produziert werden und wie die seltenen Erden dazu ans Tageslicht kommen. Eisbären sind ja auch viel niedlicher als verreckte Fische, die in giftverseuchten Gewässern treiben. Im Winter schützt man sich stilecht mit einem Kapuzenpaka vor dem Wetter, dessen Echtpelzbesatz dabei flauschig im kühlen Wind weht. Woher dieser Pelz kommt? Ist doch egal, Eisbären sind viel wichtiger! Und dann kann man dazu noch je nach Jahreszeit die Alu-Getränkedose, die PET Flasche und den coffee to go Becher mit sich führen, damit einem beim skandieren der Parolen nicht der Hals trocken wird. Geil oder? Voll auf Klimaschutz! Und wenn die lieben Eltern dann noch den Vorgarten des schmucken Häuschens in eine leblose Steinwüste verwandelt haben, weil das gerade in ist, ist man doch auch voll im Trend, oder?

Und DAS ist genau das, was mich wirklich ankotzt und umtreibt. Klimaschutz ist wichtig, und dass sich junge Menschen dafür interessieren auch. ABER: Klimaschutz geht nicht ohne Umweltschutz. Und das kann und muss direkt bei jedem von uns anfangen. Und der Naturschutz ist dabei ebenfalls ein unverzichtbarer Bestandteil. Wenn man im Kleinen anfängt, begreift man auch die größeren Zusammenhänge besser. Es ist schon traurig, dass viele Kinder/Jugendliche nicht mal unsere einheimische Fauna und Flora kennen. Eisbären sind toll, klar. Aber Spatzen, Wildblumen, Bienen und Bäume auch. Es wird munter im Internet bestellt und sich keine Gedanken darüber gemacht, wo und wie die Sachen produziert werden und wie sie zum Empfänger kommen. Ist ja auch alles irgendwie abstrakt und schön weit weg. Das sind die Eisbären zwar auch, aber die sind ja soooo niedlich und gerade voll „in“.

Was gemerkt? Die ganze Sache ist ziemlich verlogen und absolut inkonsequent. Und wenn sich dann noch politische Parteien jeglicher Art mit neu entdeckter Klimapolitik unter die jungen Demonstranten mischen, dann kommt mir die Brühe hoch. „Hey, hey…wer nicht hüpft ist für Kohle. Hey, hey…wer nicht mit dem Strom schwimmt verdient einen Shitstorm…!“ Da wird skandiert:“Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Toll!

So ihr lieben, engagierten Gretajünger/innen und Klimakids. Ich rufe euch jetzt auch mal etwas zu:

Hey, hey wer sich nicht um Umwelt- und Naturschutz zu Hause kümmert, der braucht auch nicht für Eisbären hüpfen. Geht mal in die Wälder oder in die Geflügelfarmen. Lauscht da mal dem verzweifelten Piepsen der lebendig geschredderten Küken oder der Jungvögel, die jämmerlich verhungern, weil ihre Eltern Windkraftanlagen zum Opfer gefallen sind. Hätten sie Stimmen und könnte man sie hören wäre das ihr Schrei: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ und DAS passiert bei uns täglich, direkt vor der Haustür. Und es tut weh.

Klimaschutz ist Umweltschutz ist Naturschutz. Kapiert das endlich! Ansonsten ist das, was ihr da macht nur ein temporärer Hype und für mich: Fridays For Fuck You!

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